• Katharina Tscheu

Winterspecial 2020: Anna-Lena Forster: Leben in Balance


Sich mutig den Abhang hinunter zu stürzen, ist für viele im Winter schon auf zwei Skiern eine kleine Herausforderung – Anna-Lena Forster fährt der Konkurrenz sogar auf einem Ski davon. Sie ist mit nur einem Bein auf die Welt gekommen. Das rechte Bein fehlt ihr vollständig, eine sogenannte Amelie. Eine wirkliche Ursache ist dafür noch nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es aus noch nicht näher definierten Gründen zu einer Veränderung der Gene kommt. Darüber hinaus ist das linke Bein von Anna-Lena Forster verkürzt, da ihr Oberschenkel aufgrund einer Femur-Hypoplasie (vermindertes Knochenwachstum des Oberschenkels) kürzer ist. Auch für diese skelettale Veränderung konnte noch keine eindeutige Ursache ermittelt werden.


Anna-Lena Forster ist schon seit ihrem sechsten Lebensjahr als Skifahrerin unterwegs, dann eben im Mono-Ski. Bei den paralympischen Spielen 2018 glänzte sie mit Gold im Slalom und in der Superkombination. Neben dem Leistungssport studiert sie Psychologie in Freiburg. Wie sie die Herausforderung der Doppelbelastung meistert und wo die Schwierigkeiten beim Mono-Ski liegen, erzählt sie uns im Interview.


Hinter der Diagnose (HDD): Hallo Anna-Lena, vielen Dank, dass Du Zeit für uns hast. Dir fehlt das rechte Bein und der linke Oberschenkel ist unterentwickelt. Wann und wie ist Dir das zum ersten Mal bewusst geworden?


Anna-Lena Forster: Ich kann ehrlich gar keinen Zeitpunkt nennen, an dem mir das bewusst wurde. Meine Eltern haben mich immer ganz normal überall mit hingenommen. Ich war in einem ganz normalen Kindergarten. Klar, da war es schon so, dass Freunde mir geholfen haben, die Prothese auszuziehen. Dadurch dass das für alle selbstverständlich war, habe ich nie gemerkt, dass ich anders bin als andere oder etwas habe, das andere nicht haben. Es gab aber auch kleine Situationen, wo ich das merkte: z. B. wenn ich keine engen Jeans anziehen oder die ein oder andere Sportart nicht so mitmachen konnte wie Inlineskaten.


HDD: Weiß man denn, wo die Ursache für Dein Handicap liegt?


Anna-Lena Forster: Man hat es noch nicht einmal beim Ultraschall festgestellt. Meine Mutter wusste es auch erst, als ich dann da war. Auch die Ärzte konnten nicht sagen, was für einen Auslöser es dafür gibt. Sie sagen eher, es ist eine Laune der Natur – das passiert halt manchmal.


HDD: Bei Deinem Handicap kann ich mir vorstellen, dass z. B. das Auto fahren schwierig ist. Wo liegen durch Dein Handicap Schwierigkeiten oder gar Einschränkungen im Alltag?


Anna-Lena Forster: Man muss schon sagen, es ist faszinierend, welche Hilfsmittel es heute gibt. Beim Auto fahren ist es so, dass ich ein Handgas habe. Das ist ein Apparat, mit dem beide Pedalen verbunden sind. Den kann ich ziehen und drücken, um Gas zu geben oder zu bremsen. Sonst habe ich den großen Vorteil, dass ich noch mit kleinen Krücken laufen kann – ich kann mein Bein ja auch ganz normal bewegen. So kann ich auch mal Treppen hoch laufen und frage dann jemanden, ob er mir den Rollstuhl hinterher trägt. Da bin ich zum Glück noch sehr flexibel unterwegs. Ich wohne hier im Studentenwohnheim und das Zimmer ist behindertengerecht. Da ist z. B. das Bad größer. Klar, das kostet halt sein Geld. Gerade wenn man von Geburt behindert ist, muss man um vieles mit der Krankenkasse kämpfen – das ist schon anstrengend. Es gibt so viele Möglichkeiten mittlerweile, dass mir das im Alltag gar nicht auffällt und wenn ich Hilfe brauche, frage ich einfach.


HDD: Hast Du dann schneller den Wohnheimplatz bekommen?


Anna-Lena Forster: Ich weiß tatsächlich nicht, ob es an der Behinderung liegt. Aber es ist schon so, dass wenn die behindertengerechten Zimmer frei sind oder jemand ohne Behinderung in dem Zimmer wohnt, derjenige in ein anderes Zimmer verlegt wird und man als Rollstuhlfahrer dieses Zimmer bekommt. Ich glaube schon, dass man als Rollstuhlfahrer bei freien Zimmern schneller einen Platz bekommt. Bei mir lief das noch über den Olympiastützpunkt. Dort habe ich angefragt, wie ich denn an ein Zimmer hier in Freiburg komme, denn sonst ist das echt schwierig.


HDD: Seit klein an bist Du mit dem Ski unterwegs. Wie kam die Begeisterung für das Ski fahren?


Anna-Lena Forster: Durch meine Eltern, weil sie leidenschaftliche Skifahrer sind. Ich habe noch einen älteren Bruder, der das auch schon gelernt hatte. Es war klar, ich muss das irgendwie auch lernen, damit wir als Familie Skiferien machen kann. Dann war es zufällig so, dass bei uns in der Region ein Tag war, bei dem verschiedene Behindertensportarten vorgestellt wurden. Mono-Ski war auch dabei. Das hat die Skilehrerin selbst vorgestellt, die auch im Rollstuhl sitzt. Sie hat gemeint – damals war ich erst drei Jahre alt –, sie haben noch keine Jugendgeräte und da muss man ein bisschen warten, bis dass ich in die Schale hineinpasse. Meine Eltern haben mich jedes Jahr ausgemessen (lacht). Mit sechs Jahren meinte die Skilehrerin, jetzt probieren wir es. Mit vielen Polstern, damit ich reinpasse, haben wir es ausprobiert. Vier Jahre hintereinander habe ich Skikurse gemacht. Irgendwann hat die Skilehrerin gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte, Rennen zu fahren oder in ein Nachwuchsteam hinein zu schnuppern, weil sie meinte, dass ich Talent hätte. Das habe ich gemacht. Von Anfang war das ein tolles Team, sodass ich dabei geblieben bin.


HDD: Gerade bei steilen Abfahrten gibt es viele Skifahrer, die mit Respekt der Abfahrt begegnen. Muss man sich im Mono-Ski besonders überwinden, um die Abfahrten zu meistern?


Anna-Lena Forster: Ach, ich denke, das ist Trainingssache. Ich würde sagen, dass der Mono-Ski einfach ein anderes Sportgerät ist wie bei euch Fußgängern die zwei Skier. Man sitzt und man hat nur einen Ski und die Krückski in der Hand. Ich glaube nicht, dass man sich da extra überwinden muss. Ich kenne es ja nicht anders. Ich habe es so von klein an gelernt und als Kind ist man noch furchtloser als Erwachsener. Das ist einfach Trainingssache.


HDD: Ganz allgemein gefragt: Wie funktioniert ein Mono-Ski bzw. das Mono-Ski fahren?


Anna-Lena Forster: Die Krückski sind zur Stabilisierung da, damit man nicht gleich umkippt, wenn man über einen gewissen Winkel kommt. Dann kommt es natürlich darauf an, wie hoch man gelähmt ist. Menschen, die eine hohe Lähmung haben, brauchen die Krückski mehr und setzen sie auch mehr ein als ich, die noch alle Funktionen hat und alles spürt. Die Krückski dienen also zur Schwungeinleitung und zur Stabilisierung.

Dann das Einsteigen in den Mono-Ski: da ist beim Leistungssport natürlich das Ziel, dass man das selber kann, bei uns können auch alle selber in den Mono-Ski einsteigen. Aber ich denke schon, dass das für die Anfänger mit einem größeren Aufwand verbunden ist. Bei mir war es im Skikurs so, dass man immer einen Betreuer, also ein Elternteil im Normalfall, dabei hatte. Der fährt am Anfang hinterher und als Anfänger hat man auch einen Bogen hintendran, an dem der Betreuer uns festhalten kann, damit wir nicht direkt umkippen. Sonst ist es so, dass man den Ski aus dem Rumpf steuert, wenn man die Funktion noch hat. Für mich war es einfach wichtig, dass ich einen Hüftknick hinbekomme.

Sonst hat man noch so einen Dämpfer, das ist bei mir ein Fahrraddämpfer, im Mono-Ski, da wir nicht mit den Knien Unebenheiten abfedern können. Man hat einen ganz normalen Ski drunter, d. h. einen ganz normale Rennski.


HDD: Was ist denn gerade am Anfang die Schwierigkeit des Mono-Skis?


Anna-Lena Forster: Man kippt am Anfang echt oft um. Als Anfänger hat man ja den Betreuer noch hinten dran. Aber ich glaube schon, dass das Gleichgewicht finden und die Stabilität in den Kurven eine größere Herausforderung ist.


HDD: Du fährst Abfahrt, Slalom, Riesenslalom, Super-G und Super-Kombination. Wo liegen die Unterschiede in den Disziplinen und welche sind Deine Lieblingsdisziplin?


Anna-Lena Forster: Die Unterschiede sind einfach die Abstände zwischen den Toren. Slalom und Riesenslalom sind technische Disziplinen. Da sind die Abstände gering; das heißt, man wird nicht so schnell, man muss eben technischer fahren, also mehr Schwünge machen. Jede Disziplin hat andere Ski, was bedeutet die Skilänge und der Radius sind unterschiedlich. Abfahrt und Super-G sind die Speed-Disziplinen. In der Super-Kombi wird eine technische Disziplin und eine Speed-Disziplinen kombiniert. Das heißt, wir haben einen Durchgang Super-G, wechseln den Ski und haben dann noch einen Durchgang Slalom.

Bisher war immer meine beste Disziplin der Slalom und ich fahre es auch am liebsten. Die letzten Jahre habe ich auch die Liebe für den Speed entdeckt. Ich fahre mittlerweile auch total gerne Abfahrt. Das haben wir nur leider nicht so häufig und trainieren wir auch nicht so oft. Man braucht dafür eine breitere Piste, bessere Absicherung – da müssen mehrere Zäune stehen –, sodass es einfach schwierig ist, eine Trainingspiste zu bekommen.


HDD: Wie trainierst Du im Sommer, wenn kein Schnee da ist? Gibt es ein spezielles Training für den Mono-Ski?


Anna-Lena Forster: Hauptsächlich ist es Ausdauer- und Krafttraining. Wir gehen viel handbiken oder sind auch mal mit dem Rollstuhl unterwegs – das ist dann wie Joggen. Sonst machen wir Kraftraining, viel für den Rumpf und natürlich auch für Schultern und Arme, weil wir die extrem viel benötigen. Aber ein spezifisches Training für das Mono-Ski fahren ist einfach schwierig im Sommer. Was ich noch mache, ist Trampolintraining. Da muss man viel stabilisieren, viel Körperspannung haben. Ich versuche Übungen zu machen, die ein bisschen an das Ski fahren herankommen, also z. B. einen Hüftknick im Sprung oder solche Sachen. Wir machen auch Koordinationstraining und setzen uns auf einen Petziball. Klar, ich komme mit den Füßen eh nicht auf den Boden, aber man muss die Füße anheben und schauen, dass man das ausbalanciert und nebenher noch jongliert oder andere Kraftübungen macht und dabei immer gut und stabil sitzt.


HDD: Im Winter werden stundenlang Weltcups von nicht-gehandicapten Sportlern gezeigt und nur selten einzelne Aufnahmen der Para-Weltcups. Wie siehst Du die Wahrnehmungsentwicklung des Para-Sports in Deutschland? Würdest Du Dir mehr Aufmerksamkeit wünschen?


Anna-Lena Forster: Ich finde, dass es schon sehr schade ist, dass man in den Jahren zwischen den Paralympics von uns nicht viel mitbekommt. Bei den Paralympics ist dann die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet und wir müssen auch damit umgehen. Das ist schwierig – von kaum Aufmerksamkeit zu verhältnismäßig extrem viel Aufmerksamkeit. Aber ich finde, wir haben schon auch Glück, dass wir überhaupt ab und zu etwas von unseren Weltcups im TV kommt, dass überhaupt mal jemand von ARD oder ZDF dabei ist. Bei vielen Sportarten ist das gar nicht der Fall – sowohl im Para-Sport als auch in vielen Randsportarten. Dass wir dann überhaupt zwischen den anderen Wintersportarten gezeigt werden, ist für uns schon ein großer Vorteil. Wenn die Leute im Winter ein Ski-Sportwochenende vor dem Fernseher verbringen, sehen sie uns zumindest. Aber klar, es ist noch Luft nach oben, gerade, was die Häufigkeit angeht. Dass man nicht den kompletten Weltcup von uns zeigen kann, kann ich auch verstehen, weil wir drei Kategorien haben. Vielleicht ist es auch nicht ganz so attraktiv, weil unsere Zeiten auch nicht so eng beieinander liegen wie bei den nicht-behinderten Sportlern. Wir haben mehrere Sekunden Abstand innerhalb einer Kategorie. Ganz generell, wenn man von außen hört, dass die Leute schon mehr vom Para-Sport sehen möchten, freut uns das. Aber wie macht man das für die TV-Sender attraktiv? Bei uns steckt auch nicht so viel Geld dahinter.


HDD: Könntest Du Dir denn einen gemeinsamen Weltcup mit nicht-behinderten Sportlern vorstellen?


Anna-Lena Forster: Das wäre schon eine Traumvorstellung von uns, dass man sagt, dass man das koppelt. Denn es wäre ja schon alles da. Wenn die nicht-behinderten Sportler einen Weltcup haben, ist schon alles aufgebaut. Man müsste nur sagen, wir verlängern den Zeitraum für die Wettkämpfe und bringen Para-Sportler davor oder danach. Für uns wäre es auf jeden Fall von Vorteil und die Zuschauer würden vielleicht auch noch einen Tag länger bleiben und sich den Para-Sport ansehen. Das Problem ist aber sicherlich, dass die anderen zur FIS (Skiweltverband) und wir zum IPC (internationales paralympisches Komitee) gehören und die müssten sich dann irgendwie einigen (lacht). Das wird wahrscheinlich das Problem sein.


HDD: Mehrere Jahre lang hast Du Dich mit Deiner Teamkollegin Anna Schaffelhuber duelliert. Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?


Anna-Lena Forster: Deutschlandweit sieht es leider gerade nicht so gut aus. Wir haben zwar mittlerweile ein großes Nachwuchsteam, weil wir seit eineinhalb Jahren eine festangestellte Nachwuchstrainierin haben. Sie macht sehr viel und sorgt dafür, dass der Nachwuchs gefördert wird. Nur war das auch ein bisschen zu spät, weil wir als Nationalmannschaft in den letzten Jahren ganz schön geschrumpft sind, aber da fehlte das Geld und auch die Einsicht vom Verband. Damals hatten sie gesagt, dafür seien die einzelnen Bundesländer zuständig, aber so viele interessierte Sportler haben wir einfach nicht. Bis realisiert wurde, dass es so ist, sind leider viele Jahre vergangen. Von daher sieht es mit Nachwuchs, der auch wirklich in den Weltcup einsteigen kann, momentan noch nicht so gut aus. Es gibt auch noch keine Mono-Skifahrerin im Nachwuchs, zumindest keine, die Ambitionen hat. Da muss natürlich auch die Einstellung stimmen.


HDD: Du hast es gerade schon angesprochen, dass bei euch die Abstände größer sind. Woran liegt das?


Anna-Lena Forster: Das ist schwierig zu sagen. Klar, wenn mehr Leute dabei sind, dann ist der Konkurrenzkampf größer – so wie bei den nicht-behinderten Sportlern, bei denen es auch nochmal viel professioneller ist und eben mehr Geld dahintersteckt. Bei uns wird es jetzt allmählich professioneller. Das heißt, Anna Schaffelhuber, Andrea Rothfuß und ich sind oder waren beim Zoll angestellt. Beim Zoll gibt es vom Bund aus geförderte Sportstellen – für die nicht-behinderten Sportler gibt es das schon jahrzehntelang. Wir mussten dafür kämpfen, dass wir angestellt werden. Bei den anderen Nationen haben wir gesehen, dass es das gibt, z. B in Österreich oder Frankreich. Wir hatten angefragt und zunächst gab es erst nur eine Förderstelle, bei der man nicht angestellt ist, sondern soetwas wie einen Sponsorenvertrag hat. Wir haben unser Interesse beim Zoll gezeigt und die haben gesagt, dass sie auch Interesse haben. Uns hat es ein bisschen gewundert, warum das nicht früher umgesetzt wurde. 2018 wurden wir beim Zoll als Sportler eingestellt. Mein Hauptberuf ist seitdem der Sport. Ich bekomme ein Gehalt und ich bin versichert. Wenn ich mich beim Sport verletze, ist das ein Berufsunfall.

Wenn in den anderen Nationen auch solche Entwicklungen entstehen, kann ich mir schon vorstellen, dass sich auch leistungsmäßig etwas tut. Aber das ist ein Weg, der dauert.


HDD: Neben dem Spitzensport studierst Du auch Psychologie in Freiburg und hast im Sommersemester Deine Bachelorarbeit abgegeben. Wie funktioniert das Zusammenspiel aus Leistungssport und Studium?


Anna-Lena Forster: Ich studiere deutlich länger. Normalerweise hat man im Bachelor sechs Semester und ich bin jetzt schon im dreizehnten, glaube ich (lacht). Von Anfang habe ich gesagt, dass ich das Studium ziehen muss, sonst bekomme ich das gar nicht „gebacken“. Zum einen gibt es bei uns in den Seminaren auch Anwesenheitspflicht, die ich im Winter gar nicht erfüllen kann. In manchen Seminaren hatten wir dann z. B. die Regelung, dass das Seminar über zwei Wintersemester belege, um auf die gleiche Stundenanzahl zu kommen. Oder dass ich eine zusätzliche Arbeit abgeben muss. Das ist natürlich auch Zusatzaufwand, der bewältigt werden muss. Mit so ein paar Regelungen klappt das ganz gut. Die Doppelbelastung stresst mich mental oft. Wenn man z. B. Sport macht, denke ich schon wieder an das Studium. Vielleicht hat man dann auch ein schlechtes Gewissen, weil man nicht so viel Zeit hat oder sich nicht so intensiv mit dem Inhalt beschäftigen kann wie andere. Deswegen habe ich jetzt auch überlegt, ob ich den Master erst anfange, wenn ich meine sportliche Karriere beendet habe.


HDD: Bleibt nehmen der Doppelbelastung noch Zeit für Freizeit?


Anna-Lena Forster: Im Winter habe ich sehr wenig Zeit für Freizeit. Wenn ich nicht beim Ski fahren bin, muss ich schauen, dass ich mit meinem Studium voran komme. Im Sommer kann ich es mir schon besser einteilen, weil ich mir die Trainingseinheiten legen kann, wie es für mich gut ist. Dann plane ich auch, dass ich mich mit Freunden treffe, weil es mir extrem wichtig ist, auch ein gutes soziales Umfeld zu haben. Ich glaube, dass das einem noch einmal so viel mehr Energie gibt. Dadurch dass ich das Studium ziehen kann und keinen Stress habe, schnell fertig sein zu müssen, bleibt im Sommer genug Raum für Freizeit.


HDD: Was sagen denn Deine Kommilitonen dazu, dass in ihren Reihen eine Paralmypicssiegerin sitzt?


Anna-Lena Forster: Ich glaube, viele wissen das gar nicht (lacht). Die, die es wissen, finden es echt cool und verfolgen das auch in den sozialen Netzwerken. Bei mir ist es so, dass ich aufgrund des langen Studiums immer wieder ein Semester zurückrutsche. Ich habe dann gar nicht so viel Kontakt zu Kommilitonen, weil ich weiß, dass ich nächstes Jahr wieder neue Kommilitonen habe. Da ist es mir auch ehrlich gesagt zu anstrengend, jedes Mal wieder neue Kontakte zu knüpfen. Die, die es wissen, finden es toll und fragen eben auch, wie ich die Doppelbelastung stemme. Das ist schon toll zu hören, dass meine Leistung wertgeschätzt wird.


HDD: Wie sehen Deine nächsten Ziele aus, auch in Richtung Peking 2022?


Anna-Lena Forster: Es ist bei uns immer so, dass man sich auf die nächsten Paralympics fokussiert. Jetzt haben wir hoffentlich noch Weltcups und im Februar die Weltmeisterschaften, die sind dann ein bisschen die Generalprobe für die Paralympics (Anmerkung der Redaktion: Ende November wurde entschieden, dass die Weltmeisterschaften auf 2022 verschoben wurde. Der erste Weltcup fand aber am ersten Adventswochenende statt). Dann weiß man auch, wo man steht. Das ist auch für die Medien aussagekräftig. Aber der Fokus liegt definitiv auf den Paralympics, da hat man auch einfach noch einmal eine andere Motivation. Das Training wird intensiver, die volle Konzentration liegt nur auf dem Training. Ziele sind natürlich, die Goldmedaille zu wiederholen. Das wäre mir schon wichtig, das zu wiederholen und zu zeigen, dass ich keine Eintagsfliege bin. Hoffentlich dann auch in mehreren Disziplinen.


HDD: Dafür drücken wir natürlich die Daumen!


Foto: Shari Lindenberger

Das Interview führte Katharina Tscheu.




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